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Die entscheidenden 13 Sekunden

Magazin Contact #18

Der Industriedesigner Andreas Krob von B4K hat für viele Big Player der Büromöbelbranche Produkte entwickelt, einer seiner Drehstühle schaffte es sogar in den jüngsten „James Bond“. Derzeit schraubt und feilt der Norddeutsche mit Wahlheimat Schweiz an einem Re-Design für Wiesner-Hager. Für unser Interview konnten wir ihn kurz seiner Arbeit entreißen.

„Die kaputtesten Schuhe tragen des Schusters Kinder“ – trifft das auch auf Designer zu? Wie steht’s um Ihr Büro, Ihren Schreibtisch und Stuhl?

Krob: [lacht] Ja, da ist etwas Wahres dran. In unserem Leben gibt’s nur Prototypen. Zum einen müssen wir sie testen, zum anderen sind sie Inspirationsquelle. Gekaufte Möbel leben bei uns nur kurz, denn wir zerlegen sie immer, um zu sehen, was dahintersteckt.

 

Ein neues Projekt, eine neue Herausforderung. Wie gehen Sie an Ihre Arbeit heran?

Krob: Ich gehe von der ersten Handskizze meist direkt zu 1:1-Prototypen aus Sperrholz über. Renderings mache ich nur ganz selten.

 

Wie das? Verläuft ein Großteil der Arbeit des Produktdesigners mittlerweile nicht auf dem Bildschirm?

Krob: Renderings haben 13 Sekunden Halbwertszeit. Wenn man dem ca. zwei Wochen Arbeit gegenüberstellt, dann passt das nicht.

 

Warum genau 13 Sekunden?

Krob: Nun ja, der Kunde sieht sich das Rendering an und sagt entweder: „Das gefällt mir nicht!“ – dann muss ich noch mal von vorne anfangen. Sagt er aber: „Das gefällt mir!“, dann will er danach ein Modell sehen. So oder so – 13 Sekunden für zwei Wochen Arbeit. Da mache ich lieber gleich einen Prototyp, den der Kunde von allen Seiten begutachten und testen kann.

 

Wie kommen Sie an Ihre Aufträge?

Krob: Ich entwickle gern für mich selbst Produkte und gehe mit ihnen dann auf mögliche Kunden zu. Bei Wiesner-Hager war’s auch so, da präsentierte ich einen Stuhl. Nur verlief es dann anders, denn als Feedback auf meinen Vorschlag kam: „Den Stuhl wollen wir nicht, aber können Sie einen Tisch für uns entwerfen?“ Und so wurde aus dem Stuhl ein Tisch.

 

Sie sind stark im Bereich Büro verwurzelt. Wie kam es dazu?

Krob: Giancarlo Piretti hat mir in meinen Anfängen zu Büromöbeln geraten, weil ich mit ihnen im Verhältnis gesehen am meisten Geld verdiene. Aber das war nur ein gut gemeinter Rat mit Augenzwinkern.

 

Also was war es dann?

Krob: Einerseits ist es die Funktion des Möbelstücks. Das Sitzen beispielsweise kann ich nicht mehr neu erfinden – die menschlichen Proportionen werden sich so schnell nicht ändern. Aber die Art des Sitzens hat sich geändert. Bürostühle etwa haben sich von reinen Sitzmaschinen zu interaktiven, kommunikativen Möbelstücken gewandelt. Wie man hier die unterschiedlichen Probleme lösen kann, interessiert mich sehr. Andererseits ist die Büromöbelbranche extrem professionell und es besteht ein ernsthaftes Bedürfnis hinter den Anforderungen. Das entspricht auch meinem Naturell, meinem Arbeitsstil.

Das heißt, Design ist für Sie eine verdammt ernste Sache?

Krob: 70 Prozent der Arbeit in etwa, ja. Die restlichen 30 Prozent halte ich mir für Spaßprojekte und Inspiration frei. Da kann dann schon mal ein Organizer aus Lederhaut entstehen oder ein Skimboard, das sich zu einem stetig wachsenden Geschäft entwickelt.

 

Ein Skimboard?

Krob: Ja, das hab ich für meine beiden Jungs entwickelt. Beim Skimboarden fährt man mit einer flachen, ovalen Scheibe auf Flachwasser am Strand und macht Tricks und Moves. Die bisherigen Boards waren nicht sehr robust. Steine und Muscheln schlitzen das Harz auf, das Holzboard saugt Wasser an und geht kaputt. Im Zuge eines Projektes bin ich auf ein extrem widerstandsfähiges Material gestoßen, bei dem das nicht mehr passiert. Tja und das hat sich dann rumgesprochen. Mittlerweile produzieren wir Skimboards unter dem Namen „skimbowl“ und vertreiben sie weltweit im Web, meist via Facebook.

 

Ein ungewöhnlicher Geschäftszweig für einen Büromöbel-Spezialisten!

Krob: [lacht] Ja, allerdings, daran musste ich mich auch erst gewöhnen. Mitten in der Nacht trudeln aus weiß Gott welcher Zeitzone Messages rein, welcher Trick mit welchem Board gerade geklappt hat.

 

Wie verschlug es Ihre Frau und Sie als Norddeutsche eigentlich in die Schweiz?

Krob: Das hatte berufliche Gründe. Wir wollten uns selbstständig machen und haben auf der Landkarte geschaut, wo wir am zentralsten für unsere Auftraggeber liegen. Da kam die Schweiz raus!

 

So manch Norddeutscher schreibt ein ganzes Buch über seine Erfahrungen in der Alpenrepublik – wie ging’s Ihnen? Oder klingt es exotischer, als es ist?

Krob: Der Umzug fiel uns nicht schwer. Von den Schweizern sagt man ja, dass sie eher verschlossen sind – das sind wir Norddeutschen auch irgendwie. Insofern gingen wir mit viel Respekt vor und wurden wunderbar aufgenommen. Unsere Kinder waren noch ganz klein, die sprechen sogar Schwyzerdütsch!

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