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Draht + Markus Moser = WireART

Magazin Contact #20

Markus Moser, 1970 in Linz geboren, hat ein ganz spezielles Faible für Draht. Er fertigt grazile, auf das Wesentliche reduzierte Drahtobjekte im Maßstab 1:1 an und schafft so eine Welt zwischen Illusion und Wirklichkeit. Damit lässt er im Kopf des Betrachters fantasievolle Geschichten entstehen. Auch längst ausgemusterte Stühle von Wiesner-Hager sind für ihn Modell gestanden.

„Mich fasziniert, dass die Arbeiten auf den ersten Blick wie Zeichnungen erscheinen“, so Moser. Doch auf den zweiten Blick entwickeln die Drahtskulpturen eine große räumliche Wirkung.

Nach seiner Schlosserlehre zog es den Oberösterreicher nach Wien, wo er an einer HTL für Maschinenbau die Matura nachholte. Doch zeigte sich bald, dass er kein richtiger Schreibtischmensch ist, und so ging᾿s im Lauf der Jahre wieder „back to the roots“. 2007 erfüllte er sich schließlich den lang gehegten Traum einer kleinen Metallwerkstatt, die anfänglich für hobbymäßige Schlosserarbeiten gedacht war.Was sich daraus entwickelte? Ein Kunstatelier, in

dem mit Draht gemalte Objekte entstehen, die inzwischen unter „WireART“ bekannt geworden sind. Hier eine alte Vespa, da Stühle, halb aus Holz, halb aus Draht, dort ein Bett, an der Wand lebensgroße Drahtbilder, die den Künstler selbst zeigen. Dazwischen eine Gitarre in einer Mülltonne, die das endgültige Ende seiner kläglichen Versuche, ein Musikinstrument zu erlernen, symbolisiert. Moser verleiht seinen Gedanken und Ideen mit einem Medium Ausdruck, das spezieller kaum sein könnte. Seit 2010 ist er Mitglied der Künstlergilde Wels und im Kunstforum Salzkammergut. Dass er auf den Werkstoff Draht eher zufällig gestoßen ist, erzählt er im Interview.

 

Sie sind Inhaber einer Softwarefirma und gleichzeitig Drahtkünstler. Ein Widerspruch in sich?

 

Moser: Kein Widerspruch, sondern jeder Part ein Ausgleich zum anderen. Ich bin ein sehr haptischer Mensch und arbeite gerne mit meinen Händen. Softwareentwicklung geschieht aber zum Großteil im Kopf und was dabei herauskommt, ist Dienstleistung, also wieder nichts direkt Greifbares. Bei der Drahtkunst ist es anders. Ich kann meinen Gedanken und Ideen im wahrsten Sinn des Wortes Form geben. Form im Sinne eines Kunstwerks. Um ehrlich zu sein, nach 25 Jahren im Softwaregeschäft fühlte ich eine gewisse Unzufriedenheit bzw. Unausgeglichenheit in mir. Mit der Drahtkunst schaffe ich Balance, einen Ausgleich zur Kopfarbeit. Mittlerweile nimmt der künstlerische Bereich in meinem Leben eine sehr bedeutende Rolle ein, rückt der beruflichen immer näher.

 

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Objekte mit Draht „nachzuformen“?

 

Moser: Das war kompletter Zufall! In meiner Metallwerkstatt habe ich anfänglich oft an Schlosserarbeiten, wie z. B. Gartenmöbeln oder Geländer, getüftelt.

Die dafür benötigten Materialien wurden mit Bindedraht zusammengebunden angeliefert, den ich in der Werkstatt sammelte. Irgendwann fing ich an, mit diesen Drahtresten zu spielen, dabei entstand die Idee, aus dem Draht reale Objekte nachzuformen.

 

Was ist die Quelle Ihrer Inspiration?

 

Moser: Der Alltag. Die Drahtkunst ließ mich allmählich einen „Tick“ entwickeln: Ich zerlege in meinem Kopf alles, was mir unterkommt, in Linien und habe immer ein Skizzenheft dabei, um besondere Impressionen sofort festzuhalten. Wenn mir eine Idee nicht mehr aus dem Kopf geht, dann wird sie in die Tat umgesetzt. Im Moment beschäftige ich mich vermehrt mit natürlichen Formen, sprich mit Dingen, die in der Natur vorkommen. Jetzt arbeite ich beispielsweise daran, den Blütenstand samt Schirmflieger der „Pusteblume“ (Löwenzahn) als Drahtobjekt darzustellen.

 

Sie haben auch ein Drahtkunstobjekt aus Wiesner-Hager-Stühlen gefertigt. Wie kam es dazu?

 

Moser: Bei der Entsorgung von Atelierabfällen im Altstoffsammelzentrum sind mir im Altholzcontainer vier sehr schöne und intakte Stühle aufgefallen. Stühle, deren Form ich seit meiner Kindheit aus diversen Veranstaltungsräumen kenne. Ich habe mir diese Stühle „geangelt“ und in mein Atelier verfrachtet. Irgendwann ist mir die modulare, zerlegbare Bauweise der Stühle aufgefallen und so kam die Idee, ein Original mit einer Drahtillusion zu kombinieren. Daraufhin begann ich mit der Verwandlung der Stühle von Holz zu Draht in mehreren Schritten.

 

Wo stellen Sie Ihre Werke aus?

 

Moser: Im 1. Stock über meinem Atelier in Scharnstein (Oberösterreich) habe ich einen Schauraum eingerichtet, der sehr guten Zuspruch findet. Außerdem stelle ich meine Werke auch immer wieder temporär zur Schau, wie z. B. in Galerien, auf Kunstmessen oder in Museen. Beispielsweise hatte ich vergangenes Jahr eine Einzelausstellung in der Galleria Jangva in Helsinki (Finnland). Das Drahtkunstobjekt mit den Wiesner-Hager-Stühlen kann im Moment im Wiesner-Hager Showroom in Altheim besichtigt werden.

 

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