Magazin Contact #20 - Magazin - Wiesner-Hager - Concept Wiesner-Hager
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Hungrig nach Design

Magazin Contact #20

Ein Slowake, der von Tschechien aus die Weltspitze der Produktdesigner erobert: Boris Klimek hält mit seinem Mittelzonenprogramm element Einzug ins Portfolio von Wiesner-Hager. Für contact lüftete er den Vorhang seines Ateliers und gewährte uns einen Einblick in seine Welt.

Boris Klimek, mit Ihren knapp 31 Jahren zählen Sie noch zu den Youngsters der Designer-Szene. Betrachtet man Ihre Arbeiten und Auszeichnungen, bringen Sie dennoch sehr viel Erfahrung mit. Beschreiben Sie bitte kurz Ihren Weg dahin.

Klimek: Ach, eigentlich könnten es noch viel mehr Produkte und Projekte sein! Allerdings musste ich nach dem Studium erst mal für meinen Lebensunterhalt sorgen und arbeitete drei Jahre in eimem Atelier. Seit einem Jahr bin ich selbstständig und entwickle meine eigenen Produkte.

Als gebürtiger Slowake haben Sie Ihr Basislager in Prag aufgeschlagen. Was hat Sie in die tschechische Metropole gezogen?

Klimek: Ich liebe meine Heimatstadt Martin (Slowakei) sehr, aber als Designer kann ich dort nicht Fuß fassen. In der Slowakei ist alles sehr verknöchert und man ist jungen Designern gegenüber, die frischen Wind bringen könnten, sehr verschlossen. Durch mein Studium an der Akademie für Kunst, Architektur und Design (UMPRUM) habe ich Prag und dessen Designer-Szene kennengelernt. Hier lässt sich was bewegen!

Welchen Stellenwert hat Prag in der internationalen Designer-Szene Ihrer Meinung nach?

Klimek: In den vergangenen Jahren wurden immer mehr Arbeiten tschechischer Designer in Mailand präsentiert – nicht wenige gehören zur Weltspitze. Man sieht, dass das Potenzial hier das gleiche ist – wenn nicht sogar größer als im Ausland.

Wie das?

Klimek: Weil wir motiviert sind, das nachzuholen, was durch den Einfluss des Kommunismus tot war.

Für das Mittelzonenprogramm element haben Sie bereits nationale Auszeichnungen erhalten. Wie kam es dazu?

Klimek: Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort, und zwar bei der Polstermöbelfirma mminterier, um den Hocker Shaggy zu realisieren. Der Geschäftsführer Miroslav Maňas sah meinen Entwurf für element und meinte, genau das fehlte ihm noch im Portfolio – ein Element für die Mittelzone oder auch für Open Spaces.

Die Mittelzone muss nichts und kann alles ... Worin sehen Sie die Herausforderung der Mittelzonen in der Office-Architektur?

Klimek: Die Mittelzone ist ein Bereich, in dem die Menschen immer mehr Zeit verbringen, wo sie beinahe leben, sodass sie für sie angenehm, zweckmäßig und emotional variabel sein muss. element bietet diese Flexibilität, mit den unterschiedlichen Ergänzungen wie Tische, Regale, oder auch in der variablen Höhe der Lehnen. So ist element mal für Chill-out, Arbeit oder auch für die Ablage von Gegenständen nutzbar.

In einer Selbstdefinition schreiben Sie, Ihre Designs sollen spielerisch-poetisch die menschliche Vorstellungskraft und Emotion stimulieren. Was heißt das konkret für den Büroalltag?

Klimek: Nehmen wir meine Kollektion Bunker als Beispiel. Dieses Mittelzonen-Element ist noch einen Tick verspielter als das Programm element. Die Nutzer können sich das Möbelstück selbst umbauen, ganz nach ihren aktuellen Bedürfnissen. Wollen sie beispielsweise allein sein, können sie sich dort regelrecht verstecken. Aber sie können es auch offener gestalten, um für Dritte sichtbar zu sein.

Ihr Lampendesign Memory traf ebenfalls auf großes internationales Interesse. Was brachte Sie dazu, Leuchtkörper in Form von Luftballons zu gestalten?

Klimek: Die Ballons Memory entstanden im Rahmen meiner Diplomarbeit zum Thema „Poesie des Alltags“. Das Hauptthema waren für mich die Erinnerungen an die Kindheit (so entstand auch der Hocker Shaggy). Die Ballons waren bei Weitem nicht nur für Kinderzimmer bestimmt, aber leider fehlt es den Menschen an Mut, sie anderswo einzusetzen. Darum gibt es in Kürze ein Update in transparentem Schwarz und Gold.

Beim Projekt Frame haben Sie eine funktionale Badezimmer-Nische als Gemälde verpackt. Was steckt dahinter?

Klimek: Gemeinsam mit der Firma Aqua Trade wollte ich das Thema Badezimmer ganz neu entwerfen. Ich wollte ein Produkt schaffen, das anders ist. Und zwar wie ein Bild, das eine geschlossene Form darstellt, die zweckdienlich ist und zugleich einen klar definierten Raum hat. Denn in einem Bad befinden sich viele unterschiedliche Dinge, sodass man nicht weiß, worauf man sich konzentrieren soll. Den Klienten empfehlen wir, links und rechts nichts hinzuzufügen. Das ist dasselbe wie bei einem Bild in der Galerie, es muss atmen. Frame schafft einen geschlossenen Raum und braucht keine Fliesen. Rundherum kann Spachtelmasse sein. Frame ist die Galerie in der Wohnung.

Was war Ihr bislang schwierigster Auftrag?

Klimek: Definitiv ein Präsentationsauftrag, bei dem ich kein eigenes Team hatte, und zwar bei der Ausstellung Cisal in Bologna (Italien). Wir durften eine Fläche von 100 Quadratmeter gestalten, in deren Mitte eine abscheuliche Metallkonstruktion thronte. Andere versuchten, diese zu verstecken. Wir aber machten aus dem Nachteil einen Vorteil und schufen ein Umfeld, in dem sich die Besucher wie in der Natur fühlten und eine Geschichte erlebten. Dazu ließen wir im Hinter-grund sogar Vogelgesang erklingen – eigens von einem Ornithologen zusammengestellt. Das Ergebnis: Unser Stand wurde weltweit den Top-Ausstellungen zugeordnet.

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