Es beginnt mit einem Leerstand, einem Ort, der stillsteht – eine alte Mühle, leise Gleise, ungenutzte Häfen, verwilderte Industriehallen – und mit einer Frage, die heute aktueller ist denn je: Wie wollen wir in Zukunft leben? Die drei Städte Salzburg, Bergamo und Kopenhagen zeigen es vor. Mit Projekten, die nicht einfach eine Fortsetzung der linearen Bauweise sind, sondern als Kreislauf gedacht werden: aus Bestehendem wird Neues. Nutzung wird transformiert und an die Bedürfnisse angepasst. Arbeiten, Wohnen und Natur sind nicht länger getrennt, sondern bewusst in Beziehung gesetzt – nachhaltig, sanft und zirkulär. So entstehen aus Leerständen neue Geschichten.
Alles zwischen Mühlrad und Mousepad: Quartier Rauchmühle in Salzburg.
Am Rand der Salzburger Altstadt steht die Rauchmühle. Wo über sieben Jahrhunderte Getreide zu Mehl gemahlen wurde, entstanden Impulse für die Zukunft: modernste Wohnungen sowie Arbeitsräume für die Digital- und Kreativwirtschaft, die innovative Arbeitsformen, Vernetzung und Austausch fördern. Neu gestaltete, renaturierte Flusslandschaften entlang von Glan und Mühlbach bringen Mensch und Natur in Verbindung. „Revitalisierung und Renaturierung“ von Grund und Boden war die Devise. So wurde das innerstädtische Areal wieder belebt, nachverdichtet und aufgewertet. Die Bestandsgebäude – darunter der Silo und das alte Mühlhaus – wurden nicht abgerissen, sondern revitalisiert und für neue Anwendungen adaptieren. Die Herausforderung? Historische Substanz bewahren, ohne den Anschluss an zeitgemäße Architektur und Infrastruktur zu verlieren. „Ein durchmischtes Quartier lebt von dem Zusammenspiel unterschiedlicher Einflüsse und Akteure“, beschreibt die PRISMA Holding AG, die mit der Entwicklung des Projektes Quartier Rauchmühle betraut war. Sieben Architekturbüros waren an der Planung und Gestaltung des Projektes beteiligt.
Alles smarter: Neues Stadtquartier in Bergamo.
Auf einem brachliegenden Industrieareal, wo früher Maschinen surrten und niemand von Nachhaltigkeit sprach, entstand mit ChorusLife ein smartes, zukunftsweisendes Stadtquartier, das heute energieautark ist. Die Vision: Rückgewinnung. Statt Flächenverbrauch wurde saniert, Altmaterial wiederverwendet und belasteter Boden aufbereitet. Auf 70.000 Quadratmetern wurde das Areal neu gestaltet: Wohnungen, Büros, ein Hotel, ein medizinisches Zentrum, eine Arena, Grünflächen, Begegnungszonen und Wege für Fußgänger, nicht für Autos, denn die sollen in der Tiefgarage bleiben. Das Viertel lebt energieautark dank Kraft-Wärme-Kopplungsanlage und Smart Grids, welche die flexible Nutzung erneuerbarer Energie ermöglichen. Überschüssige Energie wird ins Netz eingespeist. Das ermöglicht 1.347 Tonnen Kohlendioxid einzusparen. Regenwasser wird gesammelt und für Grünflächen genutzt – ein wichtiger Beitrag in Zeiten zunehmender Wasserknappheit in der Region. Die Herausforderung? Das Konzept soll modular und angepasst an lokale Gegebenheiten auch an anderen Orten umgesetzt werden können. Die Stadt der Zukunft wird damit zum Vorzeigeprojekt und einem der größten Stadterneuerungsprojekte Italiens.
Alles im Kreislauf: Stadtteil Nordhavn in Kopenhagen.
Alles anders und wieder zurück: Ein alter Hafen wird zum neuen Wohnviertel, Müll zur Energiequelle, Bürodächer werden zu Gärten. Der ehemalige Industriehafen Nordhavn in Kopenhagen zeigt, wie Stadtentwicklung heute aussehen kann: Bestehendes wird neu integriert, Ressourcen werden geschont und reproduziert, Lebens und Arbeitsqualität wird geschaffen. Wo früher Container gestapelt wurden, übertreffen heute Wohnungen, Arbeitsplätze und Erholungsräume die Erwartungen. Mit dem Projekt Marmormolen, einem der größten Holzbauten Dänemarks, ist ein innovativer Büro- und Gewerbekomplex am Entstehen. Die Herausforderung? Arbeiten und Wohnen anders denken: „Ein Workplace war früher sehr nach innen gerichtet und abgeschottet, aber heutzutage möchten die Menschen das Gefühl haben, Teil einer vielfältigen Community zu sein und sich ihrer Umgebung zu öffnen“, erklärt Mikkel Eskildsen, Lead Design Architekt vom dänischen Architekturbüro Henning Larsen, von dem der Entwurf stammt. Deshalb bleibt das Erdgeschoß öffentlich: Kantine am Tag, Kulturraum und Marktplatz am Abend. Auch die Dächer sind Teil des Kreislaufs: begrünt, mit Bienenstöcken und Regenwasserspeicherung.