© Adam Merk
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Gut für Güter, gut für Menschen.

In Østbirk wurde eine ehemalige Lagerhalle zu einem Forschungslabor für den dänischen Fensterhersteller Velux ausgebaut. Das LKR Innovation Center ist ein Hort für Licht, Natur, Wohlbefinden, Kommunikation und den individuellen Rückzug mittels Vorhängen.

Ein riesiger, flach dahin galoppierender Satteldachhorizont über den Köpfen, durchbrochen von rechteckigen Dachflächenfenstern und kreisrunden, wie Vollmonde im Himmel schwebenden Lampen. Darunter schließlich eröffnet sich ein Parcours aus Bäumen, Tribünen, Esstischen, Sitzbänken und lümmeligen Lounge-Landschaften. „Schon gemütlich, oder? Neben der Kreislaufwirtschaft war uns das Wohlbefinden der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der mit Abstand wichtigste Aspekt an diesem Projekt“, sagt Esben Lundsgaard Haubjerg. „Wir wollten keinen klassischen Arbeitsort schaffen, sondern vielmehr eine Art Dorfplatzstruktur, einen Ort zum Sein und Genießen. Und wenn ich dem Feedback unserer Angestellten Glauben schenken darf, dann würde ich sagen: Das ist uns auch gelungen!“

Errichtet wurde das LKR Innovation House in Østbirk im dänischen Mitteljütland, nicht weit von Aarhus entfernt, Mitte der 1990er-Jahre, damals noch als Lagerhalle für den mittel- und nordeuropäischen Markt. Von hier aus wurden die in der Nähe produzierten Dachflächenfenster nach Deutschland, Großbritannien und Skandinavien exportiert. „Eines Tages war uns die Lagerhalle zu klein geworden“, erklärt Haubjerg, Leiter des Global Facility Management Departments bei Velux. „Zudem fehlte es dringend an einer neuen Forschungszentrale, denn bis dahin waren die rund 500 Mitarbeiter in Østbirk auf mehrere Standorte verteilt, und das hatte negative Auswirkungen auf die Kommunikationsflüsse.“

Gesagt, getan. Statt die Lagerhalle abzureißen, wurde die funktionstüchtige Tragstruktur mitsamt Holzfassade in überwiegenden Teilen erhalten. An zwei Stellen lediglich wurden begrünte, begehbare Atrien eingeschnitten, zudem wurde die Dachhaut zur besseren Belichtung mit unzähligen Dachflächenfenstern, 400 Stück an der Zahl, werbewirksam demonstrativ perforiert. Darunter wurde – fast, als hätte man XXL-Tische oder überdimensionale Regale in die Halle hineingeschoben – eine Sekundärkonstruktion eingezogen, auf der sich nun die Labore, Werkstätten, Büroflächen und Besprechungszimmer befinden. Die Basis von alledem bildet der alte Betonboden, auf dem noch immer die Fahr- und Bremsspuren der LKWs und Gabelstapler zu sehen sind.

„Die Halle war in einem so guten Zustand“, meint Haubjerg, „dass wir beschlossen haben, nichts Unnötiges rauszureißen und die Patina als Zeitzeugin und als Beitrag zu einer Geschichtsschreibung dieses Ortes zu erhalten.“ Gemeinsam mit dem unbehandelten Holz, den warmen Farben, der guten Lichtführung, den haptisch angenehmen Oberflächen und natürlich auch dem richtigen Mobiliar, das die körperliche Gesundheit fördert, entstehe auf diese Weise ein Raum, der die Menschen sowohl psychisch als auch physisch anspricht. Eine Mischung aus vorbildlichem Komfort und industrieller Roughness.

„Bei den ergonomischen Drehstühlen und den höhenverstellbaren Schreibtischen sind wir bei unserer Belegschaft zu Beginn auf Widerstand gestoßen“, so Haubjerg. „Jedes Umdenken erzeugt immer auch eine gewisse Unbequemlichkeit. Doch mittlerweile bekommen wir von unseren Mitarbeitern so viele positive Rückmeldungen, dass wir wissen, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.“ Eine weitere dieser zunächst einmal unpopulären Maßnahmen, erinnert sich Haubjerg, war die Entfernung der PKW-Stellplätze vor dem Haus. „Am Anfang gab es einen kleinen Aufschrei. Heute schauen wir aus den Büroräumen nicht mehr auf Blech, Beton und Asphalt, sondern auf eine modellierte Landschaft mit Gräsern, Stauden und Bäumen. Ich muss Ihnen wohl nicht sagen, was davon fürs menschliche Wohlbefinden und letztendlich auch für den wirtschaftlichen Output eines Unternehmen besser ist, oder?“

Die Planung für das LKR Innovation House – die Initialen stehen für Lars Kann-Rasmussen, jenen langjährigen Vorstandsvorsitzenden, der Velux zu einem international renommierten Unternehmen mit 12.000 Mitarbeitern in aller Welt ausbaute – stammt vom dänischen Büro Praksis Arkitekter. Für die Interior-Planung der 14.000 Quadratmeter großen Bürohalle zeichnen zudem BRIQ, Holmbris B8, Friis & Moltke Design, Spant Studio Architects und der dänische Innenarchitekt Kasper Mose verantwortlich. Die hohe Anzahl an involvierten Büros liegt am Bauherrenwunsch nach mehr Diversität und Heterogenität im Alltag, nach dem Wunsch nach nicht nur einem Büro, sondern einem Ökosystem produktiver Schaffenskraft.

„Große Raumhöhe, authentische Materialien, natürliche Querlüftung, eine gute Schallabsorption an der Decke, eine großartige Lichtführung aus dem Zenit, und schon ist ein Raum, der einst gut für Güter war, zu einem Raum geworden, der auch gut für Menschen ist“, sagt Mette Tony, Gründungspartnerin bei Praksis Arkitekter. „Allein schon aus ökonomischen Gründen wird man so eine Qualität in einem Büroneubau nie und nimmer vorfinden. Hier im LKR Innovation Center ist sie Standard.“ Eines der Highlights an diesem Bau jedoch, meint Tony, sei die Differenzierung des Arbeitsplatzangebotes. Damit sei für jeden Geschmack, für jede Arbeitsvorliebe etwas dabei. „Die einen sitzen im Großraumbüro, die anderen auf der Galerie oder der Empore, wiederum andere suchen sich einen geschützten Raum im Gebälk und schaffen sich mit Vorhängen einen angenehmen Rückzugsraum. Gut ist, wenn alles möglich ist.“

Wojciech Czaja

Impressionen.

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