Alles inklusiv

Was passiert, wenn Inklusion nicht nur akzeptiert, sondern als produktive Kraft begriffen wird? Wenn Arbeitsräume so gedacht werden, dass sie den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht werden? Dann rücken Office-Konzepte in den Mittelpunkt, die weit über flexible Bürolandschaften hinausreichen – und eine neue Frage stellen: Wie gestaltet man Arbeitswelten, in denen alle Menschen gut arbeiten können?

Inklusion beginnt mit Empathie. Sie entsteht, wenn Unternehmen verstehen, wie unterschiedlich Menschen denken, fühlen und arbeiten. Während der eine Ruhe braucht, um produktiv zu arbeiten, entstehen für andere wirklich gute Ideen erst im Austausch. Wieder andere reagieren sensibel auf Reize wie Licht, Geräusche oder Temperaturen. Besonders sichtbar wird das beim Blick auf die sensorische und kognitive Vielfalt. In Österreich gelten etwa 15 % der Menschen als neurodivergent* – ihre Wahrnehmung und Denkweisen weichen also vom gewohnten „Normal“ ab. Dazu zählen unter anderem Menschen im Autismus-Spektrum oder mit ADHS. Für sie sind Rückzugsorte, flexible Strukturen und die Freiheit, im eigenen Rhythmus zu arbeiten, kein Komfort, sondern die Voraussetzung für produktives Arbeiten.

Menschen im Autismus-Spektrum nehmen ihre Umwelt häufig intensiver wahr. Reizüberflutung durch grelles Licht, dauerhafte Hintergrundgeräusche oder visuelle Unruhe führt schneller zu Stress und Erschöpfung. Auch unvorhersehbare Situationen oder ständiger sozialer Austausch wirken belastend. Räumliche Lösungen hierfür sind klar abgegrenzte Zonen für die unterschiedlichen Arbeitsanforderungen sowie blendfreies und indirektes Licht, Lärm dämpfende Materialien sowie vor allem ruhige Rückzugsräume. Auch das Miteinander sollte geprägt sein von klaren Strukturen und Transparenz. Menschen mit ADHS erleben häufig eine starke innere Unruhe, sind leicht ablenkbar, gleichzeitig aber sehr kreativ und leistungsfähig, wenn „ihre“ Rahmenbedingungen stimmen. Zu starre oder monotone Arbeitsplätze erschweren für sie Arbeiten, während Bewegung und Abwechslung ihren Fokus und ihre Kreativität fördern können. Abwechslungsreiche Office-Konzepte bieten idealerweise unterschiedliche Arbeitssettings: höhenverstellbare Möbel, Zonen für Bewegung, flexible Arbeitsplätze, informelle Meetingzonen und vor allem die Möglichkeit, zwischen Fokus- und Austauschphasen zu wechseln.

Inklusion heißt auch Barrierefreiheit. Neben neurodiversen Bedürfnissen spielen körperliche Beeinträchtigungen eine zentrale Rolle im inklusiven Office Design. Barrierefreiheit bedeutet dabei weit mehr als Rampen und Aufzüge. Sie umfasst stufenlose Zugänge, höhenverstellbare Arbeitsplätze, kontrastreiche Gestaltung für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen sowie intuitive Leitsysteme. Auch sanitäre Einrichtungen, Gemeinschaftszonen und Meetingräume müssen für alle gleichermaßen nutzbar sein. Ein barrierefreies Büro signalisiert Wertschätzung – und ermöglicht selbstbestimmtes Arbeiten für alle.

Im Grunde zeigt sich: Eine Arbeitsumgebung, die echte Wahlmöglichkeiten bietet, tut allen gut. Inklusives Office Design übersetzt diese unterschiedlichen Anforderungen und Bedürfnisse in Architektur und Innenarchitektur. Sie lässt den Einzelnen entscheiden, wie viel Reiz, Struktur oder Kontakt gerade gebraucht wird.

 

Haltung als Voraussetzung

Inklusive Büros sind damit weit mehr als ein Gestaltungsansatz. Sie sind Ausdruck einer Haltung: Weg vom „alle gleich behandeln“ hin zum „Unterschiede bewusst berücksichtigen“, denn Vielfalt wird als erfolgsversprechende Ressource für Unternehmen verstanden. Erfolgreich umgesetzte Strategien für Vielfalt und Inklusion zeigen messbar Wirkung: Sie erleichtern die Gewinnung und Bindung von Fachkräften, stärken Kreativität und Innovationskraft, führen zu höherer Produktivität und reduzieren das Burnout-Risiko um bis zu 48 %**. Inklusive Office-Konzepte schaffen Bedingungen und Möglichkeiten, in denen Teams ihre Stärken wahrnehmen können und jeder Einzelne sein Potential entfalten kann, ganz inklusiv.

 

* Quelle: Amazing15: www.amazing15.at

** Quelle: Boston Consulting Group (2024). Four Keys to Boosting Inclusion and Beating Burnout. Studie basierend auf Befragung von 11.000 Arbeitnehmern in acht Ländern. https://www.bcg.com/publications/2024/four-keys-to-boosting-inclusion-and-beating-burnout

*** Quellen: www.global2000.at/neurodiversitaet-am-arbeitsplatz https://oe1.orf.at/programm/20241202/778516/Neurodivergent-am-Arbeitsmarkt

 

Erfolgsfaktor Inklusives Office Design

Produktivität & Gesundheit

Bedürfnisgerechte Arbeitsplätze steigern Wohlbefinden, Motivation und Leistungsfähigkeit

Innovation & Erfolg

Inklusive Unternehmenskulturen fördern Innovation und verbessern nachweislich Geschäftsergebnisse

Wettbewerbsvorteil

Neurodiversität bringt besondere Talente mit sich, wie hohe Kreativität oder die Fähigkeit, komplexe Informationen effizient zu verarbeiten. Tech-Unternehmen wie Microsoft, SAP oder der Gaming-Hersteller Activision haben dies als Talentepool erfolgreich erkannt.

 

Was bedeutet Neurodiversität?

Als neurodivergent werden Menschen bezeichnet, deren Wahrnehmung und Informationsverarbeitung von gesellschaftlichen Erwartungen und neurotypischen Normen abweichen. Bis zu 20 %*** der erwachsenen Menschen gelten als neurodivers. Dazu zählen das Autismus-Spektrum, ADHS, Legasthenie, Dyslexie, Dyspraxie und Synästhesie.

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