© Dominik Berchthold
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Büro Obertrum: Kreativer Leerlauf statt leiser Leerstand.

In den ehemals leerstehenden Räumen im ersten Stock des geschichtsträchtigen Braugasthofs Sigl in Obertrum am See wird heute gedacht, getippt und vernetzt. Unter dem Motto „Leerstand als Chance“ entstand das Büro Obertrum als Coworking Space voller Möglichkeiten. Wer zum Arbeiten hierherkommt, bleibt – für Stunden oder auch Tage. Ein inspirierendes Beispiel, wie Kreislaufwirtschaft Raumkonzepte und Arbeitsmodelle umfassen kann. In unserem Gespräch erzählt die Interior- und Produktdesignerin Barbara Gollackner von der Idee des Miteinanders im Coworking Space, der kreativen Nutzung von Restmaterial und von ihrer Vorstellung, wie die Zukunft des Bauens und Einrichtens aussehen könnte.

Sie haben an der Entwicklung des Raumkonzepts des Büro Obertrum mitgewirkt. Welche Herausforderungen gab es in Bezug auf Kreislaufdenken und Reuse von vorhandenen Gegebenheiten und Räumen?
Wir haben für das Büro Obertrum nicht nur bestehende Räume adaptiert, sondern auch viele Bestandsmöbel des Gasthofs verwendet. In ästhetischer Hinsicht war die Herausforderung definitiv, trotz der Nutzung alter Bestandsmöbel ein wahrnehmbares, sichtbares Gestaltungskonzept in das Projekt zu bringen. Ich habe mich für ein sehr prägnantes Königsblau entschieden, da es sehr gut mit den Bestandselementen funktioniert, und um eine gestalterische Klammer für alles Neue zu schaffen. Beim räumlichen Konzept musste man mit dem Vorhandenen arbeiten. Da gab es nur die Möglichkeit, da und dort eine Tür rauszunehmen. Das Ziel war, die Nutzung sehr gut zu durchdenken und mit modularen, flexiblen Möbeln unterschiedliche Bespielungen für moderne New-Work-Arbeitsformen zu ermöglichen.


Coworking wird oft als kurzfristiges Konzept verstanden. Wie unterscheidet sich das Arbeiten im Büro Obertrum von herkömmlichen Arbeitsplätzen?
Das Raumkonzept im Büro Obertrum ist bewusst auf den Austausch und das Miteinander ausgelegt. Begegnung und Flexibilität stehen im Zentrum. Eine offene Arbeitslounge und die Gemeinschaftsküche fördern den Dialog, während modular einsetzbare Möbel eine vielseitige Nutzung der Räume ermöglichen. Im Fokus steht mein Lieblingsteil: ein großer blauer Tisch im Erkerzimmer – ein zentrales Element, bestehend aus vier Einzeltischen, die sich zu einem großzügigen Meetingtisch kombinieren lassen. Im Büro Obertrum ist man mitten in der Natur, direkt am See, und kann den kreativen Leerlauf zelebrieren, im Gegensatz zu den meisten Coworking Spaces, die eher in der Stadt zu finden sind.

 

Was bedeuten Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in der täglichen Arbeit mit Materialien für Sie?
Als Designerin ist es unumgänglich, Nachhaltigkeit immer mitzudenken. Das beginnt damit, Projekte mit Unternehmen aus der Region umzusetzen und im Sinne der Circular Design Rules zu agieren, oder auch mit der Nutzung von Bestandselementen. Ich arbeite gerade an einer Produktkollektion mit dem Namen Rest in Beauty, bei der es darum geht, Produkte nur aus übriggebliebenen Materialien herzustellen – ein sehr plakativer, aber auch sehr wirkungsvoller Ansatz in unserer Welt der Überproduktion. Auch mein Projekt Wasteware entstand aus dieser Idee heraus. Ich habe damals gelesen, dass wir in Europa 90 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr wegwerfen, und gleichzeitig rund 30 Millionen Tonnen Einweggeschirr produzieren. Das brachte mich auf die Idee, diese zwei Aspekte zu verbinden.


Wäre das Prinzip von Wasteware in größerem Maßstab für Bauprojekte denkbar?
In diesem Fall handelt es sich um ein sehr experimentelles Projekt, das ich allein über einen langen Zeitraum umgesetzt habe. Materialabfälle in größerer Skalierung wiederzuverwenden wird allerdings immer wichtiger und auch immer öfter gemacht – beispielsweise in der Autoindustrie, aber auch bei Baumaterialien, im Interior Design. Es gibt viele Konzepte und auch immer mehr Produkte dazu, und wir werden nicht umhinkommen, Recycling und Reuse in naher Zukunft nicht als Option, sondern als Pflicht zu sehen.

Büro Obertrum

Seppi Sigl (rechts) leiter die Trumer Privatbrauerei und ist auch Visionär und treibende Kraaft hinter dem Projekt Büro Obertrum.
© Kathrin Gollackner
© Kathrin Gollackner
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Barbara Gollackner, Interior- und Produktdesignerin im Interview. Sie hat an der Entwicklung des Raumkonzepts Büro Obertrum mitgewirkt.
Fotos: Dominik Berchthold, Ian Ehm, Cati Donner, Philipp Hieslmayr
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