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Designer sind Überzeugungstäter

Magazin Contact #14

Wiesner-Hager war zu Besuch bei arge 2, einem langjährigen Partner in Sachen Produktdesign (z. B. ayo, update, sign_2, arta). In ihrem Studio in München gehen Georg Kaserer und Michael Spindler ihrem Traumberuf nach. arge 2 sind Allrounder, von der Pommesboutique in München über Fischer Ski Nordic bis hin zu Büromöbel und Haushaltsgeräte. Ihr Ziel: Die Raffinesse eines Produktes definieren – nicht unbedingt alles anders machen.

Habt ihr einen gewissen Stil? Wie würdet ihr ihn beschreiben – in wenigen Worten?

Georg: Authentisch, sympathisch und beständig. Unser Design ist kein modisches Gimmick und muss auch nicht zwanghaft neu sein.

Mike: Wir sind nicht laut.

 

Was wolltet ihr schon immer mal designen?

Mike: Ein Segelboot. Segeln ist meine Leidenschaft, aber die Boote vermitteln oft die Pseudogemütlichkeit eines Wohnwagens. Mir schwebt ein Segelboot mit Interieur im skandinavischen Blockhausstil vor.

 

Was war euer bislang ungewöhnlichstes Projekt?

Georg: Eine Großflächensämaschine mit einer Arbeitsbreite von bis zu 25 Metern. Man würde gar nicht glauben, wie viel Design in einer modernen Landwirtschaftsmaschine heutzutage steckt – besonders auch im Führerstand!

Mike: Bei mir war es der „Marienkäferball“, bereits zu meiner Studienzeit. Der wurde unglaublich oft verkauft und viele kennen ihn aus ihrer Kindheit, wenn ich Fotos davon zeige (Anm. d. Red.: auch wir!).

 

Kommt es vor, dass ihr ein Projekt ablehnt?

Georg: Ja, wenn wir keinen Sinn darin sehen und wenn es das bloße Erbringen einer Leistung wäre.

Mike: Uns ist auch wichtig, dass die Chemie mit dem Kunden stimmt.

 

Wie schwierig ist der Spagat zwischen den Wünschen des Auftraggebers und euren Ideen?

Georg: Das hängt ganz vom Kunden ab. Natürlich arbeiten wir kundenorientiert, wir wollen aber auch den Kunden herausfordern, mit ihm zusammenarbeiten, auch er soll seinen Beitrag leisten.

Mike: In der Zusammenarbeit entsteht dann eine gewisse Reibung. Und die ist gut, denn sie bringt Neues.

 

Was ist euch dabei wichtig?

Georg: Die Produkte auch im Detail auf den Punkt zu bringen. Oft hören wir von den Kunden „deshalb verkaufen wir auch kein Stück mehr“ oder „das fällt doch keinem auf “.

Mike: Das mag sein, aber der Konsument spürt, wenn ein Produkt in sich nicht stimmig ist, auch wenn sie’s mangels Fachwissen nicht artikulieren können.

Woher holt ihr euch eure Inspiration?

Georg: Als Designer hat man den Drang Neues zu entdecken, neue Grenzen auszuloten. Das ist ein Prozess des ständigen Hinterfragens: Wie wirkt etwas?

Mike: Man muss einfach ein guter Beobachter sein, egal wann und wo.

 

Welche großen gesellschaftlichen Veränderungen gab es in den vergangenen Jahren? Wie macht sich das im Design bemerkbar?

Georg: Die vergangenen Jahre waren intensiv. Ein wesentliches Thema ist die Umweltproblematik und dass sich auch die Politik ihrer endlich bewusst wird. Auch die Bereiche Globalisierung/Lokalisierung spielen da mit rein.

Mike: Das Design entfernt sich zunehmend vom Überzogenen und vom Protz. Die Konzentration liegt nun eher auf einer simplen Idee, auf mehr Originalität. Die Liebe zum Detail, die eigenen Werte stehen wieder im Mittelpunkt. Ehrlichkeit und Authentizität bekommen einen höheren Stellenwert.

 

Lässt sich der Kopf eines Produktdesigners je ausschalten?

Georg: Ein Designer ist ein Überzeugungstäter. Die Arbeit ist genussvoll, reizvoll. Man beschäftigt sich mit dem Leben, lebt seine Neugierde aus. Das ist kein 40-Stunden-Bürojob.

Mike: Die Psyche ist aber auch damit verhaftet. Wenn ein Ergebnis nicht stimmt, dann kann sich das auch mal aufs Gemüt schlagen und man leidet.

 

Was ist euer Lieblingsbuch?

Georg: Ich lese eher Kurzgeschichten und Novellen, für Längeres ist selten Zeit.

Mike: Am häufigsten in Gebrauch ist mein vegetarisches Kochbuch – wobei ich kein militanter Vegetarier bin. Gutes Essen bereichert das Leben wie gutes Design.

 

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