Magazin Contact #15 - Magazin - Wiesner-Hager - Concept Wiesner-Hager
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Alltägliches, das nicht alltäglich ist

Magazin Contact #15

Seit 2003 arbeiten Mag. Barbara Ambrosz und Mag. Karin Santorso unter dem Namen LUCY.D zusammen. Für Wiesner-Hager haben sie die Produktgruppe pulse (Konferenztisch und -stuhl) entworfen. Wir haben die empathischen Designerinnen auf ein Frühstück am Wiener Naschmarkt besucht und bekamen Einblick in ihre Welt.

Sie nennen Ihr Designbüro „LUCY.D“. Wie kommt’s?

Karin: In dem Namen steckt einerseits das Wort „luzide“, das für hell, klar, offen steht. Andererseits ist „Lucy“ ein weiblicher Name und „D“ steht auch für Design. Wir wollten etwas Positives, das unser Wesen widerspiegelt, und eine Art eigenes Label kreieren. Darum LUCY.D.

 

Was ist Ihr Credo, Ihre Philosophie?

Barbara: Unser Design soll emotionalisieren. Wir möchten Gegenstände des Alltags entwickeln, die nicht alltäglich sind, die einen Twist haben, überraschen bzw. einen Mehrwert liefern. So wie etwa der Teelöffel „Tèo“.

 

Den Sie für Alessi entworfen haben?

Karin: Ursprünglich hatten wir „Tèo“ ja 2007 für eine deutsche Manufaktur entwickelt. Durch die Wirtschaftskrise wurde er aber nie produziert und landete in der Schublade. 2010 haben wir ihn an Alessi geschickt, die ihn sofort produzieren wollten. Mit „Tèo“ kann man einen Teebeutel aus der Tasse heben, ihn durch den Löffelstiel ziehend auspressen und dann ablegen, ohne sich zu bekleckern.

 

Ein glücklicher Zufall also?

Barbara: Es scheint eher etwas Typisches zu sein. Das richtige Produkt muss zur richtigen Zeit an den richtigen Menschen kommen. So war es auch mit der mundgeblasenen Trinkschale „Liquid Skin“, ein Designprojekt an der Universität für Angewandte Kunst (Wien). Zwei Jahre lang habe ich gemeinsam mit Peter Rath von Lobmeyr Glas daran gefeilt. Vom fertigen Produkt war er so begeistert, dass er es überall hin mitnahm und präsentierte. So landete die Trinkschale auch im Museum of Modern Art in New York.

 

Welche Idee steckt hinter „Liquid Skin“?

Barbara: Es geht um eine elementare menschliche Gestik, Wasser beidhändig aus einem Bach oder Brunnen zu schöpfen. Das Glas ist ganz dünn, fragil und unterstreicht durch seine Form den sinnlichen Aspekt des Trinkens. „Liquid Skin“ steht auch in zahlreichen anderen Museen und ist ein wunderbares Referenzprojekt für uns.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Wiesner-Hager?

Karin: Wir kannten Markus Wiesner schon von einigen Veranstaltungen. Eines Tages wurden wir von ihm eingeladen, für Wiesner-Hager zu entwerfen.

 

Was war die Herausforderung beim pulse Konferenztisch?

Barbara: Für uns war es eine völlig neue Richtung und Thematik. Wobei es uns am Anfang neuer Projekte meist so geht (lacht).

Karin: Aber das ist auch das Gute: Frisch und unverbraucht begeben wir uns akribisch auf Spurensuche, spüren Trends auf. Wühlen und recherchieren, von der Firmengeschichte bis zu kulturellen und traditionellen Begebenheiten, um sie letztlich dann doch wieder zu brechen und Neues zu erfinden.

 

Mittlerweile gibt es auch den pulse Konferenzstuhl. Was liegt den zwei Produkten zugrunde?

Barbara: Sie sind beides Cross-over-Möbelstücke. Der Trend geht klar in Richtung Verschmelzung von Wohnzimmer und Büro. Darum haben wir versucht, das Private in den Büroalltag, in die Konferenz zu bringen.

Karin: Der Stuhl etwa bietet viel Sitzfläche, jeder kann seine eigene Wohlfühlposition finden – was besonders bei längeren Konferenzen von Vorteil ist.

 

Was ist als Nächstes geplant?

Karin: Derzeit arbeiten wir an der Weiterentwicklung der Wiener Kaffeehauskultur. Und an einem DIY-Produkt im Bereich Beleuchtung für die Vienna Design Week.

Barbara: Aber was genau das werden soll, wissen wir selbst noch nicht (lacht).

 

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