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Arbeiten mit Touchscreens: Tennisarm vorprogrammiert?

Magazin Contact #18

Die klassische Bildschirmarbeit ist mittlerweile umfassend beschrieben und die ergonomischen Voraussetzungen sind längst in arbeitsrechtliche Vorschriften gegossen worden. Im Zentrum steht der gesundheitsschonende Büroarbeitsplatz mit seinen Kernkomponenten Drehstuhl, Schreibtisch, Desktop-PC bzw. Notebook, Bildschirm und Maus. Jetzt kommt eine neue Generation von Eingabegeräten dazu: die Touchscreens! Was bedeutet das für die Arbeitsplatzergonomie?

Mit Smartphones und Tablets haben wir uns schon an die neue Touch-Eingabeform gewöhnt – mehr noch, wir haben sie lieb gewonnen. Besonders die intuitive Art der Eingabe und der spielerische Umgang macht diese Geräte so attraktiv. Kein Wunder also, dass die Touchscreens jetzt auch am Büroschreibtisch Einzug halten. Die erfinderische Kreativität der PC-Hersteller ist dabei sehr vielfältig: vom schwenkbaren All-in-one-PC (der den klassischen Desktop-PC ersetzt) über Touch-Notebooks bis hin zu unterschiedlichen Hybridgeräten. Und Microsoft, noch immer unumschränkt Marktführer bei PC-Betriebssystemen, forciert die Toucheingabe seit der Einführung von Windows 8 sehr stark.

 

Aber lässt sich mit den neuen Touchgeräten auf Dauer produktiv arbeiten und vor allem: lässt sich damit auch wirklich gesund arbeiten? Generell sind Erfahrungswerte mit Touch-Monitoren in der Arbeitswelt noch kaum zu finden. Eines scheint aber klar: Wer seinen Bildschirm „vorbildhaft“ nach den allgemein gültigen Ergonomierichtlinien aufstellt – also vertikal mit 50–70 cm Abstand zum Nutzer und der obersten Informationszeile des Schirms maximal in Höhe der Augen –, der hat ein Problem. Denn bei Touch-Bildschirmen führt genau das zu negativen gesundheitlichen Folgeerscheinungen.

 

Ein Beispiel dazu beschreibt die Berufsgenossenschaft „Nahrungsmittel und Gastgewerbe“ in Deutschland: Ein Betreiber von Selbstbedienungsrestaurants hatte seine Kassenarbeitsplätze auf Touchscreen-Monitore umgerüstet. Im Vergleich zu der früheren Kombination aus Bildschirm und Tastatur klagten die Kassiererinnen nun verstärkt über Schmerzen in Handgelenk und Arm sowie über Schulter- und Rückenschmerzen. Das Hauptproblem war, dass die Position der Touch-Bildschirme zu steil war – sie richtete sich nach den Vorgaben der Bildschirmarbeitsverordnung. Hierdurch kam es bei der Bedienung zu einer belastenden Hand-Arm-Haltung. Erst durch die deutlich flachere Positionierung des Monitors und das nähere Heranrücken an den Körper konnten die Probleme der Mitarbeiterinnen gelöst werden.

Tipps zum gesunden Arbeiten mit Touchscreens liefert das Computermagazin PC-Welt in einem Artikel vom 29. November 2013. Die wichtigsten Erkenntnisse daraus sind:

 

•  Touchscreens verwenden, die sich auch sehr flach schwenken lassen. Beim Flachstellen ist darauf zu achten, dass keine Reflexionen (z. B. durch die Raumbeleuchtung) auftreten und dass der Monitor näher zum Körper gerückt wird. Schon der ehemalige Apple-CEO Steve Jobs stellte auf einer Pressekonferenz im Oktober 2011 klar: „Touch-Oberflächen wollen nicht vertikal benutzt werden!“

 

•  Wer für seine produktive Arbeit viel mit Textverarbeitung zu tun hat, sollte unbedingt auf eine externe Tastatur zurückgreifen, da den virtuellen On-Screen-Tastaturen das „taktile Feedback“ (die Ertastbarkeit der virtuellen Tasten) fehlt und die Handgelenke beim Viel-Schreiben auf Touchscreens eher belastet werden. Externe Funktastaturen und -mäuse sind deshalb eine ideale Ergänzung auf dem Schreibtisch: Sie kommen ohne störende Kabel aus und sind damit leicht weg zulegen, für den raschen Wechsel zwischen Touch- und klassischer Desktoparbeit.

 

(Quellen: Verein „Usability in Germany“; PC-Welt: „www.pcwelt.de/ratgeber/gesund-arbeiten-mit-touchscreens“, Foto: Hewlett-Packard GmbH)

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