Magazin Contact #19 - Magazin - Wiesner-Hager - Concept Wiesner-Hager
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What's on your desk, Andrea Maria Dusl?

Magazin Contact #19

Dusl, die an diesem Platz kulturwissenschaftlich arbeitet, schreibt und zeichnet, zumeist für den Standard, für die Salzburger Nachrichten und für den Falter, in dem regelmäßig ihre Kolumne „Fragen Sie Frau Andrea“ erscheint, hat eine Phobie vor Büros und noch mehr vor weißen, grauen, schwarzen Büromöbeln. „Das macht mir Panik. Angstzustände!“

„Ich verwende fast keine Möbel. Mein gesamtes Hab und Gut ist in handlichen Transportkisten und kleinen, transparenten Kistchen auf dem Schreibtisch verpackt“, sagt Andrea Maria Dusl. Die Filmregisseurin, Autorin und Zeichnerin ist eine Anhängerin des – wie sie meint – reduzierten, fast gegenstandslosen Wohnens und Arbeitens. „Früher habe ich das inszenierte und repräsentative Raumkonzept gelebt, musste mich von dieser Idee allerdings wieder verabschieden, weil ich gemerkt habe, dass diese Pracht immer eine Lüge ist. Das liegt mir nicht mehr.“

Ihr heutiger Arbeitsplatz befindet sich in ihrer Wohnung in einem Biedermeierhaus in Wien-Leopoldstadt. Da, wo sie aufgewachsen ist. Da, wo ihr Vater, seines Zeichens Architekt, Jahrzehnte lang sein Büro hatte. Das Haus ist voller Erinnerungen. Von ihrem Schreibtisch aus blickt sie in einen begrünten Innenhof. Auch der erinnert sie – an ein Stückchen Land in der Stadt. „Bloß ist das Stückchen Land in der Stadt viel ruhiger als das  Stückchen Land am Land, was ich durchaus gerecht finde.“

 

Das Büro, von dem sie träumt? „Das wäre eine Halle in der Dimension einer Flugzeughalle, sagen wir so mit 10.000 Quadratmetern. Es würde keine Wände geben, und das Bett würde ich hinstellen, wo immer ich gerade will. Und den Schreibtisch auch. Ansonsten wäre alles leer. Und es müsste ewiger Frühling herrschen, wobei es ein warmer Frühling sein müsste.“

  1. 1. Von großer Wichtigkeit ist das Tischtuch. Ich finde die Farbe Weiß, wenn sie nicht auf Wänden ist, sehr anstrengend. Ich habe Angst vor Büros. Da kriege ich Panik. Auf meinem Schreibtisch soll es aussehen wie im Wirtshaus. Das ist ein Wirtshausschreibtisch. Je büroferner, desto besser.
  2. 2. Von ebenso großer Wichtigkeit ist der Stuhl. Das ist ein dänischer Palisander- und Lederstuhl. Alles ist besser als ein Bürodrehstuhl.
  3. 3. Ich arbeite auf einem Mac Book Pro. Es ist mein wichtigstes Werkzeug. Sollte dieser Laptop eingehen, habe ich zwei Reserve-Laptops, die voll funktionstüchtig und ebenso voll aufgeladen sind. Ich könnte meine Arbeit jederzeit fortsetzen und brauche keine Angst vor lokalen Black-outs und anderen Notfällen zu haben.

  • 4. Die Lampe ist ein Designermodell aus den Dreißiger-jahren. Der schwarze Filzvorhang hat rein praktischen Nutzen. Das ist ein Blendschutz. So werde ich nicht geblendet, wenn ich auf meinem Futon liege.
  • 5. Ganz generell ist zu sagen, dass ich wohl hochneurotisch bin, was die Ordnung auf meinem Schreibtisch betrifft. Alles muss seine Ordnung haben. Alles muss so ausschauen, als hätte ich es noch nie zuvor benützt. Nur so kann ich mich auf die aktuelle Arbeit konzentrieren.
  • 6. Ich schreibe, skizziere und notiere mit Bleistiften. Es müssen Bleistifte der Härte HB sein. Meine Erfahrung zeigt, dass die Chance, einen spitzen Bleistift zu erhaschen, mit der Anzahl der Gesamtbleistifte exponential steigt. Daher so viele. Insgesamt habe ich 113 einsatzbereite, gespitzte Bleistifte aus genau drei handverlesenen Margen.
  • 7. Das ist mein Vorrat an schwarzen und roten Moleskine-Skizzenbüchern und bunten Post-its. Ich möchte vorgesorgt haben, falls mir eines Tages das Papier für Notizen ausgeht.
  • 8. Ich sammle Rock-Art-Siebdrucke. Ich mag deren grelle Farben und die Opt-Art-Elemente. Das ist Industriekunst. Das inspiriert mich. Der gelbe Druck stammt aus Los Angeles, die rosa New York Dolls stammen aus Paris.
  • 9. Der Luftbarometer zeigt genau 55 Prozent Luftfeuchtigkeit an, und das schon seit vielen Jahren. Ich glaube, der ist kaputt. Keine Ahnung, warum der immer noch da hängt. Vielleicht weil ich die Phantasie habe, dass er doch funktioniert.
  • 10. Veitschi, Efeu und Wein. Ich liebe diesen Ausblick. Das ist das Beste aus zwei Welten. Es ist grün, aber nicht zu grün. Und ich mag diese Position zwischen den Fenstern. Ein bisschen fühle ich mich hier wie eine Lokomotivführerin, die links und rechts des Dampfkessels in die Landschaft voraus schaut.
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    Wojciech Czaja

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