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Der Ort und der Bauherr.

Magazin Contact #24

1997 gegründet, hat sich das Atelier Heiss einen Namen in der Architekturbranche gemacht. Topkunden wie McDonald’s Europe, ÖBB, Kempinski Residences oder Schindler Aufzüge haben schon auf das Können des Architekturbüros vertraut. Gründer Christian Heiss hat sich Zeit genommen und uns in sein Atelier im Zentrum von Wien eingeladen. Authentisch hat er uns von seinem Zugang zur Arbeit und seinem Blick auf moderne Office-Architektur erzählt.

Wie würden Sie Ihren Arbeitsstil beschreiben?

Heiss: Wir versuchen nicht, auf Moden und kurzfris­tige Trends aufzuspringen. Architektur ist immer et­was Langfristiges, und die erforderliche Qualität sollte ebenfalls langfristig sein. Und danach sind wir auf der Suche. Bei jedem Projekt starten wir immer wieder aufs Neue bei der Stunde Null, weil wir im Grunde aufs nichts zurückgreifen können, außer auf unsere Erfahrung. Das ist die Basis der Herausforderung.

Wie arbeiten Sie? Wie gehen Sie an Projekte heran?

Heiss: Wir haben 25 Mitarbeiter und arbeiten sehr teamorientiert. Unsere drei Standbeine sind Büro, Wohnen und Hotel – das sind die Kernkompetenzen, um die sich unsere Auftragswelt dreht. Wir arbeiten in diesen drei Bereichen, um die Freiheit im Denken zu erhalten. Die Teams werden immer projektbezogen zusammengestellt. Am Anfang bin ich in jedes Projekt sehr stark eingebunden, um die Konzeption auf die Beine zu stellen.

Wie starten Sie einen Kreativprozess?

Heiss: Für mich gibt es immer zwei Inspirationsquel­len: den Ort und den Bauherrn bzw. die Bauaufgabe. Was kann der Ort, wo ist das Licht, wie sind die Blickbeziehungen. Besonders spannend finde ich aber auch den Bauherrn: Was hat er für Ecken und Kanten, was sind seine Wünsche? Ein Gebäude steht nie see­lenlos in der Gegend rum, sondern wird betrieben und benutzt, und ist damit immer eng mit dem Bauherrn verbunden. Diese Menschen sind meist sehr inspirie­rend und man kann viel von ihnen lernen.

Wie schwierig ist der Spagat zwischen den Wünschen des Bauherrn und Ihren Ideen?

Heiss: In meinen Augen ist die Architektur eine ge­wisse Art von Dienstleistung. Wir müssen bestimmte Funktionen erfüllen, aber eben mit dem Unterschied, dass wir einen ästhetischen und architektonischen Anspruch haben. Es gibt so etwas wie ein gegenseitiges Veto – der Bauherr kann sagen, was er nicht will, aber genauso kann ich sagen, dass etwas gar nicht geht. Das hat aber noch nie zu Konflikten geführt.

Was ist Ihr Lieblingsprojekt?

Heiss: Lieblingsprojekte habe ich circa zwanzig. Das ist so wie mit Kindern, da hat man auch kein Lieblingskind [lacht].

An welchen Projekten arbeiten Sie gerade?

Heiss: Im Moment arbeiten wir an einem tollen Bürogebäude – dem Neubau der österreichischen Zentrale des Schweizer Unternehmens Schindler Auf­züge. Im Bürobereich haben wir auch noch das Interior für einen großen Steuerberater mit über 10.000 m² im Machen. In Split bauen wir ein Hotel und zwei Wohn­bauten entstehen gerade im 2. und 3. Bezirk.

Bei der Bürokonzeption spüren wir bei vielen Unter­nehmen mehr und mehr einen Veränderungswillen – wahrscheinlich hervorgerufen durch Leitbilder wie Google, Microsoft usw. Wie gehen Sie mit dem Thema um? Spüren auch Sie die Veränderung?

Heiss: Massiv. Open Space ist wichtiger denn je. Meine jüngsten Projekte waren fast ausschließlich Open-Space-Planungen. Im Allgemeinen ist für die gesamte Kommunikation mehr Offenheit da, und es werden bewusst Kommunikationszonen im Unterneh­men geschaffen. Ein Trend geht auch dahin, dass vom Vorstand bis zum Mitarbeiter alles gleich ist – das hat auch psychologische Gründe.

Welche Bedeutung spielt das Büro als Ort in dieser mobi­len Zeit noch für Sie?

Heiss: Das Arbeiten von zuhause aus ist ein nettes „Add-on“, ich bevorzuge für mich aber trotzdem, am Tag hier im Büro zu arbeiten. Das fordere ich auch von meinen Mitarbeitern, weil wir uns laufend abstimmen müssen. Natürlich ist es angenehm, dass ich meine Mails von überall abrufen kann, ich bin aber trotzdem ein Freund der strukturierten Arbeitsgemeinschaft und der direkten Kommunikation. Die Idee, dass man nur noch von zuhause aus arbeitet, finde ich nicht wünschenswert. Auch die mentale Trennung zwischen den eigenen vier Wänden und dem Büro ist wichtig, und nicht zuletzt ist die soziale Vereinsamung eine große Gefahr.

Wie sehen Sie das Büro als Motivationsfak­tor?

Heiss: Ich bin überzeugt davon, dass Architektur zwar nicht alles vermag, aber ein schönes Stück dazu beitragen kann, dass Menschen glücklicher und zufriede­ner sind. Gute Architektur sorgt beispiels­weise für Klarheit und Übersichtlichkeit. Bei Schindler Aufzüge errichten wir den Neubau direkt neben der jetzigen Zentrale und die Mitarbeiter sehen täglich, wie das neue Gebäude wächst – das ist absolut motivationsfördernd.

In diesem Heft stellen wir das Neubauprojekt des TÜV AUSTRIA vor. Sie haben als Architekt die Gebäudekon­zeption geliefert. Wie haben Sie das Projekt erlebt?

Heiss: Für uns war es sehr spannend, den Weg aufzu­zeichnen, den dann alle konstruktiv mitverfolgt haben. Das Besondere an dem Projekt ist, dass wir durch das Zurückspringen des Baukörpers und durch einen leichten Knick im Gebäude einen Vorplatz schaffen konnten. Auf diesen Vorplatz bezogen konnte eine in­teressante Eingangssituation mit einem zweigeschoßi­gen Entrée realisiert werden. Ich finde es auch wichtig, dass die Akademie nun am Hauptstandort angesiedelt ist. Das motiviert die Akademiegäste und Mitarbeiter und schafft so eine besondere Dynamik. Man kann sehr stolz sein, so ein Gebäude zu haben.

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