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Scotty, beam mich ins Meeting! Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky über das Arbeiten im Jahr 2025.

Magazin Contact #25

Die Arbeitswelt ist im Umbruch! Viele Leser denken jetzt: „Schon klar, aber ist sie das nicht permanent?” Und das ist natürlich richtig. Neu ist die Geschwindigkeit. Der Umbruch schreitet schneller voran als erwartet. Ursachen dafür sind die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung. Sie verändern bisherige Arbeitsprozesse und Organisationsmodelle grundlegend.

Der große Schriftsteller Franz Kafka hat sich bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in einem Brief über das Arbeiten im eintönigen Büro beschwert: „Die Bürozeit nämlich lässt sich nicht zerteilen, noch in der letzten Stunde spürt man den Druck der acht Stunden wie in der ersten. Alle Menschen, die ähnliche Berufe haben, sind so. Das Sprungbrett ihrer Lustigkeit ist die letzte Arbeitsminute.“ Eine Arbeitsumgebung, wie sie Kafka beschreibt, ist uns allen vertraut, aber gleichzeitig auch Gift für neue Ideen und die Innovationskraft eines Unternehmens.

Auslaufmodell Arbeitsplatz.

Kafka berichtet aus der Vergangenheit, interessanter ist natürlich ein Blick in die Zukunft. Glaubt man Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky, so ist der typische Arbeitsplatz mit Computer, Telefon, Schreibtisch und Aktenschrank längst ein Auslaufmodell. Das verwundert wenig, denn auch heute tragen wir nahezu alle relevanten Infos in Form von Smartphones und Notebook überall greifbar mobil mit uns herum. Jánszky geht noch weiter und postuliert, dass es künftig keine festen Arbeitsplätze mehr geben wird und auch Tastaturen und Bildschirme verschwunden sein werden. Dafür dominieren 3D-Hologramme in virtuellen Meetings und Glasscheiben übernehmen die Funktion heutiger Computerdisplays. Darüber hinaus ändert sich die Art, wie die Technik für uns arbeitet. Künstliche Intelligenz wird zur gelebten Wirklichkeit. Geräte sind miteinander vernetzt und analysieren Nutzer und deren Bedürfnisse genau. Anstelle auf Fragen der Anwender zu warten, werden – quasi intuitiv – passend zur jeweiligen Situation automatisch relevante Informationen geliefert.

Kafka würde staunen.

Das Büro wird zum Ort der Begegnung, der Zusammenarbeit und Kollaboration fördert. Dabei unterscheidet Jánszky in seinem Buch „2025 – So arbeiten wir in der Zukunft“ drei Typen von Räumen: 1. Coworking Spaces, die wie Lounges oder Cafés konzipiert sind und die ideale Arbeitsumgebung für Teammeetings und Projektarbeit bieten. 2. Silent Rooms in Form von kleinen und ruhigen Räumen, in die man sich zum hochkonzentrierten Arbeiten zurückziehen kann, und 3. hoch technifizierte Kommunikationsräume, die Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, gemeinsam in virtuellen Teams zu arbeiten, obwohl faktisch tausende Kilometer zwischen ihnen liegen. Dabei wird Adaptivität zum Leitmotiv: Räume können sich komplett an die Bedürfnisse der Nutzer und die aktuelle Nutzungssituation anpassen. Bei dieser Prognose steht eines fest – Kafka würde Augen machen! Wir haben uns mit Sven Gábor Jánszky getroffen und ihm drei Fragen zum Büro der Zukunft gestellt, die uns unter den Fingernägeln gebrannt haben:

 

2025 – das ist bereits in 8 Jahren. Wie passt die hohe Geschwindigkeit der Veränderung zur allgemeinen Veränderungsunwilligkeit der Gesellschaft?

Jánszky: Es passt überhaupt nicht zusammen. Das ist ja das Problem! Wir dürfen allerdings nicht den Fehler machen zu glauben, dass das Veränderungstempo langsamer wird, nur weil die meisten Menschen lieber alles so lassen würden, wie es ist. Technologische Innovation kommt nicht in die Welt, weil Menschen sich das wünschen. Sie kommt in die Welt, weil Unternehmen Geräte verkaufen wollen. Die nehmen „das alte“ und stellen „das neue“ hinein. Wenn wir beispielsweise im Jahr 2020 ein neues Smartphone kaufen müssen, weil das alte kaputtgegangen ist, dann gibt es unser heutiges Smartphone nicht mehr. Es gibt nur noch die neuen, die ihren Besitzern auf deren Fragen eine intelligentere Antwort geben, als Menschen es könnten. Diese neuen Smartphones zu benutzen, hat dann einen großen Nutzen: Es macht uns schneller, effizienter und besser. Also nutzen wir es. Auf diese Weise kommt die schnelle Innovation zu uns, ohne dass wir sie eigentlich wollten.

 

Unternehmen, die aktuell ein neues Bürogebäude planen, möchten sich natürlich schon heute für die Zukunft wappnen. Inwieweit können sie sich fit für die Anforderungen von 2025 machen?

Jánszky: Sie müssen ihr Bürogebäude so planen, dass es sich den Bedürfnissen der Mitarbeiter anpasst. Es ist doch schon grotesk, dass unsere Büros heute zum Großteil noch genauso aussehen wie vor 100 Jahren zu Kafkas Zeiten: weiße Wände, Teppichboden, Schreibtisch, Stuhl, Schreibmaschine oder Computer, Telefon. Wer ehrlich ist, der wird erkennen, dass diese Einrichtung nur für die wenigsten Tätigkeiten in unserer heutigen Arbeitswelt ideal ist. Selbst wenn die meisten von uns ein solches Kafka-Büro für normal halten, weil sie nie ein anderes Büro erlebt haben … unsere Arbeitsorte des Jahres 2025 werden anders aussehen. Denn wenn wir konzentriert lesen oder schreiben, dann brauchen wir einen kleinen, ruhigen Raum. Wenn wir im Team beraten, dann brauchen wir einen Kommunikationsraum, in dem Teammitglieder am virtuellen Tisch sitzen können als wären sie da, obwohl sie hunderte Kilometer entfernt sind. Und wenn wir E-Mails bearbeiten und planen, dann entspricht eine Kaffeehaus- oder Lounge-Atmosphäre viel mehr unseren Bedürfnissen als ein steriles 20-Quadratmeter-Büro. Die Bürohäuser der Zukunft werden genau diese drei Raumarten haben. Und die Menschen werden im Laufe des Arbeitstages oft und gern die Räume wechseln, um jeweils die ideale Umgebung für den nächsten Arbeitsschritt vorzufinden. Diese Art von Bürogebäuden sollte man heute schon bauen, denn die First Mover haben es längst getan.

 

Die Digitalisierung wird heute oft als bedrohlicher Jobkiller wahrgenommen. Sie gehen davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren aus demografischen Gründen 6,5 Millionen Menschen von unserem Arbeitsmarkt verschwinden werden. Wir werden in einer Welt der Vollbeschäftigung leben. Klingt gut, aber ist diese Prognose nicht etwas zu optimistisch?

Jánszky: Nein, gar nicht. Die Digitalisierung wird in den nächsten zehn Jahren etwa eine Million Jobs „killen“. Aber im gleichen Zeitraum gehen in Deutschland 6,5 Millionen mehr Menschen in Rente, als junge Menschen in das Erwerbsstadium eintreten. Außerdem bekommen ca. 1,5 Millionen qualifizierte Arbeitslose einen Job, 800.000 qualifizierte Ausländer und ca. 800.000 Teilzeitarbeiter, die wieder in Vollzeit gehen. Unter dem Strich haben wir dann in Deutschland zwei bis drei Millionen Jobs, die nicht besetzt werden können, weil vielen Menschen dafür das Know-how fehlt. Dies ist Vollbeschäftigung. Dies führt dazu, dass sich das Machtverhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern dreht: Sie können ihrem Arbeitgeber dann Bedingungen diktieren. Und wenn er sie nicht erfüllen will oder kann, dann gehen sie einfach zum nächsten. Denn sie werden jederzeit zehn neue Angebote auf dem Tisch liegen haben. Diese Situation hält natürlich nicht ewig, sondern nur circa 20 bis 25 Jahre. Erst danach, also etwa im Jahr 2050, werden wirklich millionenfach Arbeitsplätze durch Computer ersetzt. Darauf müssen wir uns vorbereiten. Aber dafür haben wir auch noch 30 Jahre Zeit.

 

Wie wird sich das Generationenthema in der Arbeitswelt auswirken? Werden 2025 die älteren Arbeitnehmer noch mithalten können?

Jánszky: Sie werden mithalten müssen. Denn was geschieht, wenn unser Land den Bedarf an Arbeitskräften nicht decken kann? Dann wird weniger produziert, dann verliert die Konjunktur an Schwung, dann zahlen die Unternehmen weniger Steuern. Die Folge für den normalen Bürger wäre, dass die Sozialkosten und die Verbrauchssteuern steigen. Das kann keiner wollen. Also werden händeringend Arbeitskräfte gesucht. Und es gibt nur zwei Möglichkeiten, wo diese herkommen können. Entweder aus dem Ausland, das ist aktuell weniger wahrscheinlich. Oder die Älteren werden auch nach dem Renteneintritt weiterarbeiten. Das ist sehr wahrscheinlich. Natürlich tun sich ältere Menschen in der Regel etwas schwerer mit neuen Technologien. Aber aus der Menschheitsgeschichte wissen wir, dass wir Menschen Weltmeister im Anpassen an veränderte Bedingungen sind. Deshalb lautet meine Prognose: Viele von uns werden umlernen müssen. Das wird anstrengend sein. Aber wir werden es tun und es wird sich lohnen. Denn das Leben im Jahr 2025 wird ein besseres sein als heute.

 

 Lothar Abicht, Sven Gábor Jánszky: 2025. So arbeiten wir in der Zukunft. Goldegg Verlag.

Lothar Abicht, Sven Gábor Jánszky: 2025. So arbeiten wir in der Zukunft. Goldegg Verlag.

 

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