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Büros aus aller Welt: Neues McDonald's Headquarter in Chicago.

Magazin Contact #29

Letztes Jahr hat McDonald’s sein Headquarter von Oak Brook um 30 Kilometer nach Downtown Chicago übersiedelt. Das neue Büro mit gestapelten Themenbereichen macht einen so gesunden und gemütlichen Eindruck, dass man sich fragt, wann denn das Essen diesem gelungenen Trend folgt. Ein Highlight ist die auf jeder Etage eingerichtete Wellness Suite mit Ruheräumen, Bibliothek und Gebetsraum. I’m lovin’ it.

Im Herzen des Gebäudes entspinnt sich ein riesengroßes Atrium mit verglasten Gängen, Galerien und kreuz und quer verlaufenden, scheinbar eckig ineinander verknoteten Treppen und Podesten. Immer wieder ragen, als wollte man neugierige Ein- und Ausblicke nehmen, auf mehreren Etagen verglaste Meeting- Spaces ins luftige Nichts. Und zwischen alledem hängt eine raumfüllende Installation des New Yorker Künstlers Jacob Hashimoto von der Decke. A Gateway to a Whispered Possibility of Existence, so der Titel der Arbeit, besteht aus hunderten mal bunt gemusterten, mal schwerelos transluzenten Drachen aus Bambus, Harz und Acryl. Es ist, als wäre man in einem beglückenden Traum gefangen – irgendwo zwischen Flower Power, M. C. Escher und der Eleganz eines kürzlich eröffneten Louis-Vuitton-Flagship-Stores.

 

47 Jahre lang befand sich der McDonald’s-Stammsitz an seiner traditionellen Adresse in Oak Brook, rund 30 Kilometer westlich von Chicago. Die Büros waren auf mehrere Bauten verstreut, die sich ihrerseits über einen großen, grünen Campus erstreckten. Mit dem Identity-Change weg vom suburbanen Fastfood-Anbieter jedoch hin zu einem städtischen Lifestyle-Restaurant, wie das Burger-Imperium dies gerne für sich beansprucht, sollte auch der nötige symbolische Schritt auf Verwaltungsebene gesetzt werden. 2018 wurde der Campus am Stadtrand aufgegeben, und die insgesamt 2.000 Mitarbeiter übersiedelten in die Randolph Street, Downtown Chicago.

 

 

 

Das achtgeschoßige Haus nach Plänen von Gensler Architects wirkt erstaunlich gediegen. Auf der Backsteinfassade mit ihren stählernen Lisenen und ihren quadratisch eingefassten Glasflächen will sich nicht und nicht das Bild der längst bewährten McDonald’s-Ästhetik einstellen. Vielmehr nimmt der 50.000 Quadratmeter große Bau die für Chicago typischen Baustoffe auf und fügt sich wie ein selbstverständliches Puzzlestück in das Grundstück, auf dem sich einst eine nüchterne Lager- und Logistikhalle befand. Drei getrennte Zugänge führen ins Headquarter-Office, in die sogenannte Hamburger University, wo künftige Angestellte und Franchise-Nehmer ausgebildet werden, sowie in das McDonald’s Global Menu Restaurant, in dem sämtliche Burger, Fritten und Shakes auf der Speisekarte stehen, die es weltweit zu kaufen gibt.

 

Erst beim Eintreten ins Allerheiligste lässt sich Stück für Stück das hier beheimatete Unternehmen erahnen. Über zwei asymmetrische Bögen – ein Zitat an die Golden Arches, die die Wortbild-Marke seit 1968 prägen – gelangt man in die rundum mit amerikanischer Walnuss vertäfelte, auf diese Weise in eine warme, angenehme Atmosphäre gehüllte Lobby.

Ansonsten finden sich Wandflächen in Schwarz und Weiß, Textilien in unterschiedlichen Grautönen sowie Holzoberflächen mit starken, lebendigen Maserungen wieder. Ab und zu wird das homogene Bild von kühlen Blau- und Türkistönen sowie von einigen Signature-Möbeln im unverwechselbaren Corporate-Yellow aufgelockert.

 

„Die Möblierung und Innenraumgestaltung ist zeitlos zurückhaltend, stellenweise vielleicht sogar ein bisschen minimalistisch“, sagt Ruben Gonzales, Chefarchitekt und Projektleiter bei IA Interior Architects, die das Innenleben gemeinsam mit Studio O+A konzipiert und in die Realität umgesetzt haben. „Größflächige Corporate-Farben wird man hier vergeblich suchen. Die einzige Ausnahme ist das McDonald’s-Gelb, das in Form von Stühlen, Sofanischen und Wandpolsterungen ab und zu einen Akzent setzt.“ Für die nötige digitale Kommunikation sorgen Plasma-Touchscreens, die über das gesamte Gebäude verteilt sind. Sowohl akustisch als auch atmosphärisch fällt kaum auf, dass ein Großteil der Büros als Open Space ausgeführt ist. Nischen und heterogen gestaltete Kleinbereiche wirken dem üblichen Erscheinungsbild eines Großraumbüros stark entgegen.

 

 

 

Auch die Stockwerke selbst sind unterschiedlich gestaltet. Wie die Belagsschichten in einem überdimensionalen Big Mac sind die Themenbereiche Geschichte, Hospitality, Geschmackswelt, Verpackungskultur und Design- und Architekturidentität übereinander gestapelt. Die Themen schlagen sich nicht nur im Leitsystem, sondern auch in der architektonischen Gestaltung der Geschoße nieder. Den krönenden Abschluss bildet eine Milestone-Galerie mit den wichtigsten Errungenschaften in der Geschichte von McDonald’s sowie einer Sammlung von Happy-Meal-Spielzeugen aus allen Epochen.

 

 Das vielleicht schönste und respektvollste Geschenk an die Mitarbeiter ist die sogenannte Wellness-Suite, die auf jedem Stockwerk eingerichtet wurde. Neben einem klassischen Quiet Space umfasst sie eine Bibliothek, einen Spiel- und Stillraum sowie einen Gebetsund Andachtsraum. Geschmackvoller und nachhaltig nahrhafter kann man einen Büro-Big-Mac kaum bauen. I’m lovin’ it. Fragt sich am Ende: Wann schwappt das hier angewandte Wellness- und Gesundheitsrezept endlich auch auf die Speisekarte über? Noch eine Apfeltasche dazu? Nein, danke.

 

 

Wojciech Czaja

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