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Motivationsk(n)ick aus der Ferne.

Magazin Contact #31

Wer von zu Hause aus oder mobil arbeitet, ist weniger motiviert als die Kollegen im Büro. Das zeigt eine groß angelegte Studie von Harper Business, die im Juli dieses Jahres im Harvard Business Manager veröffentlicht wurde. Die Motivation ist außerdem bei denjenigen Mitarbeitern am geringsten, die keine Wahl haben, wo sie arbeiten können. Da ist eine Pandemie, die Millionen Menschen zumindest vorübergehend ins Home-Office verfrachtet hat, nicht gerade hilfreich. Denn nach Wochen der virtuellen Zusammenarbeit aus dem Home-Office besteht die Gefahr, dass die Motivation der Mitarbeiter mehr und mehr abnimmt – und mit ihr die Konzentrationsfähigkeit und Arbeitseffizienz.

Innere und äußere Motivation

Um zu verstehen, was uns bremst und was uns pusht, ist es zunächst einmal wichtig, zu klären, was Motivation überhaupt bedeutet. Motivation kann als die Summe jener Gründe gesehen werden, die uns zum Handeln bewegen. Dabei spielt es eine wesentliche Rolle, ob diese Beweggründe von einer Person selbst – also aus ihrem Inneren – kommen, oder durch äußere Reize aktiviert werden. Man unterscheidet also zwischen intrinsischer (innerer) und extrinsischer (äußerer) Motivation. Die intrinsische Motivation ist vor allem für kreative und komplexe Prozesse wichtig, denn hier kommt es auf den eigenen Antrieb an. Um schöpferische Aufgaben zu bewältigen, reicht meistens schon die Erreichung des Zieles als Belohnung. Anders läuft es bei der extrinsischen Motivation. Hier sind die Belohnungen, die von außen geboten werden, die Beweggründe zur Erreichung eines Zieles. Das kann Geld sein, sowie die Angst vor einer Kündigung. Während extrinsische Motivation daher in kreativen, lösungsorientierten Aufgabenbereichen häufig kontraproduktiv sein kann, ist sie für strukturierte, routinemäßige Aufgaben notwendig. Wenn Mitarbeiter oder ganze Teams einen Motivationsknick erleiden, beeinflusst das die Arbeitsqualität und die Kreativität bzw. Lösungsprozesse negativ. Es liegt also auch im Interesse des Unternehmens, die Arbeitsmotivation hoch zu halten.

 

Motivationskillern keine Chance bieten.

Was motiviert Mitarbeiter? Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass die meisten Menschen ihre Arbeit gerne machen – immerhin haben sie sich selbstbestimmt für diesen Beruf entschieden. Wenn die Motivation nach einem erfolgreichen Onboarding im Unternehmen aber tendenziell sinkt, deutet das meistens auf Probleme in der Unternehmens- und Führungskultur hin. Es braucht also mehr als aufgesetzte Scheinaktionen, um die Kollegenschaft bei Laune zu halten. Kurz gesagt: Häufig wäre es einfacher aufzuhören, die Mitarbeiter zu demotivieren, als zwanghaft zu versuchen, sie zu motivieren. 

 

Die folgenden fünf typischen Motivationskiller sind für viele Mitarbeiter besonders belastend – bei Remotearbeit gilt das noch viel mehr:

1. Sinnlosigkeit

Wer keinen Sinn in seiner Arbeit sieht, ist kaum zu motivieren. Im Home-Office wird dieser Motivationskiller häufig noch verstärkt, wenn Mitarbeiter kein Feedback mehr auf ihre Arbeit erhalten, weil der direkte Kontakt zum Unternehmen fehlt. Die besten Chancen gegen Sinnlosigkeit haben Unternehmen, wenn sie klare Zielsetzungen mit ihren Mitarbeitern entwickeln und die Erfolge gemeinsam besprechen. Genauso wichtig ist es, die Zusammenhänge von Entscheidungen regelmäßig zu kommunizieren. Und das funktioniert auch über die Ferne.

2. Der Klassiker für Demotivation schlechthin: Mieses Betriebsklima

Missgunst, Eifersüchteleien oder Mobbing demotivieren Mitarbeiter und schaden dem Betriebsklima immens. Die Ursache lässt sich meist in der mangelnden Kommunikation finden. Oftmals fehlt es bereits an einer respektvollen und achtsamen Verständigung zwischen den Vorgesetzten und den Mitarbeitern – auch untereinander. Respekt und Achtsamkeit müssen von den Führungskräften authentisch vorgelebt werden, um sie in der Unternehmenskultur zu verankern. Dies bildet den Nährboden für Wertschätzung, Teamwork und das Zugehörigkeitsgefühl.

3. Verschwendung von Potenzial

Wiederkehrende, gleichbleibende Aufgaben ohne Aussicht auf Optimierung oder Veränderungen machen träge. Wenn dann die (Fach-)Gespräche zwischen Kollegen, die sich in der Regel spontan am Arbeitsplatz entwickeln, im Home-Office beinahe zur Gänze wegfallen, dann endet man schnell beim oft zitierten „Dienst nach Vorschrift“. Auch oder gerade während einer Pandemie sind Schulungen und Fortbildungen in Form von Online- Webinaren die perfekte Möglichkeit, individuelle Potenziale zu stärken. Daneben lassen sich innerbetrieblich mit modernen Collaboration-Tools virtuelle Wissensräume einrichten, in denen sich Mitarbeiter fachlich austauschen können.

 

4. Schlechte Ausstattung

Vielfach unterschätzt, aber ein echter Motivationskiller: Wenn die technische Grundausstattung – vom IT-Equipment über die Software bis zur langsamen Internetleitung – nicht passt, verlieren die Leute schnell die Lust am Arbeiten. Wenn die Möbel nicht den ergonomischen Anforderungen eines Arbeitsplatzes entsprechen oder kein angenehmes Raumklima herrscht, kann überdies die Gesundheit beeinträchtigt werden. Viele Krankheitstage lassen sich auf Rückenschmerzen, Verspannungen und falsch eingestellte Klimaanlagen zurückführen. Die Investitionen in eine optimale Grundausstattung in Form hochwertiger Möbel und einer modernen IT-Infrastruktur sind sehr gering im Vergleich zu den Kosten durch mangelnde Leistungsbereitschaft.

 

5. Mikromanagement

Unter Mikromanagement versteht man die schlechte Eigenschaft von Führungskräften, sich in jeden noch so kleinen Arbeitsvorgang der Mitarbeiter einzumischen. Wozu soll sich ein Mitarbeiter die Mühe machen Arbeitsaufträge gewissenhaft auszuführen, wenn sie ständig overruled oder nochmals neu erledigt werden? Damit einher geht die Geringschätzung der Leistung von Mitarbeitern. Um Missverständnisse im Team zu vermeiden, sollte die Aufgabenverteilung definiert und diese in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden. Nehmen Sie Fehler in Lernprozesse auf und optimieren Sie zusammen mit Ihren Kollegen Arbeitsabläufe.

 

Wenn Architektur die Motivation ankurbelt.

Wenn sich künftig die Besiedelung der Büros durch die zunehmende Remotearbeit im Home-Office verringert, kann der dadurch gewonnene Platz für innovative Raumangebote umfunktioniert werden. Projekträume, Kreativzonen und lässig gestaltete Pausenräume animieren Mitarbeiter dazu, sich zu vernetzen, auszutauschen und gemeinsam Prozesse anzustoßen. Attraktiv gestaltete Räume sind Teil der extrinsischen Motivation. Erst die Freiheit, selbstständig an Lösungen zu arbeiten, die für die Mitarbeiter auch sinnstiftend sind, aktiviert die intrinsische Motivation und bindet sie an den Raum. Der Rest kommt dann von ganz alleine oder, wie der Volksmund sagt: „Arbeit, die Freude macht, ist schon zur Hälfte erledigt!“

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