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100 Jahre Wiesner-Hager Möbel

Magazin Contact #32

Was Wiesner-Hager mit Indien zu tun hat, wie Frauen den Betrieb durch den Zweiten Weltkrieg brachten und warum Wiesner-Hager im Theater eine Hauptrolle ergattern konnte, sind nur ein paar ausgewählte Erinnerungen der nun bereits 100-jährigen Unternehmensgeschichte. Nehmen Sie Platz!

Vom Zimmereibetrieb zur Möbeltischlerei.

 Das Unternehmen Wiesner-Hager wurde bereits im Jahr 1849 von Josef Wiesner als Zimmereibetrieb gegründet. 1921 übernahmen dann Rudolf Wiesner und Sebastian Hager den väterlichen Betrieb. Im Zuge eines Umbaus wurde eine Möbeltischlerei errichtet und somit ein zweiter Unternehmenszweig geschaffen. Warum es dazu kam sich auch auf Möbelfertigung zu spezialisieren ist nicht gänzlich bekannt. Strategischer Weitblick, spontane Idee oder einfacher Zufall? Erst eine später getätigte Aussage von Theresia Wiesner bringt Einblick in die damalige Entscheidung: „Die schon bestehende Bautischlerei, die sich während des Ersten Weltkrieges hauptsächlich mit der Herstellung von Baracken beschäftigte, brauchte Aufträge. So war es naheliegend, eine Möbeltischlerei anzugliedern.“

Zu Beginn der Möbelfertigung konzentrierte man sich auf einfache Klappstühle für Kinos und Gartenmöbel. Mitte der 1920er-Jahre wurden die ersten Exportpläne geschmiedet. Bald schon konnte man sich über einen großen Auftrag aus England freuen. Von 1928 bis 1930 landeten über eine englische Handelsfirma 144.000 Wiesner-Hager Gartenmöbel unter anderem als sogenannte Deckchairs auf Passagierschiffen und in verschiedenen englischen Kolonien, allen voran Indien.

 

 

Die Weltkriegsjahre als Belastungsprobe.

 Wie für viele Betriebe waren auch für Wiesner-Hager die Weltkriegsjahre zwischen 1939 und 1945 ein Kampf ums Überleben, mit dem auch zahlreiche menschliche Tragödien einhergingen. Von 104 zum Kriegsdienst eingezogenen Mitarbeitern, kehrten 35 nicht wieder zurück. Dabei profitierte Wiesner-Hager zu Beginn noch als Heereszulieferer. Auch Wiesner-Hager wurde Mitglied des europäischen Bugholzkartells, das von Berlin Aufträge für die Wehrmacht platzierte. Es wurden sogar größere Investitionen getätigt. Neben Stühlen und Hockern mussten Liegestühle für Feldlazarette, sowie Schlittenboote als Transportmittel für Kriegsmaterial und Verwundete produziert werden. Daher waren es in diesen Jahren vor allem die Frauen, die den Betrieb aufrechterhielten. So konnte man sich in den Kriegsjahren lange Zeit über Wasser halten. Mit Fortdauer des Krieges führten Personal- und Materialengpässe für einige Monate zur völligen Silllegung des Unternehmens. Erst mit Beginn des Jahres 1946 wurde die Produktion wieder aufgenommen.

 

 

Vorhang auf! Jetzt geht’s ins Theater.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich Wiesner-Hager rasch erholen. Es herrschte eine von Nachfrage getriebene Aufbruchsstimmung. In den 1950er-Jahren begann die Zeit der großen kulturellen Prestigeprojekte: Viele renommierte Kulturstätten, wie die Wiener Staatsoper, das Burgtheater oder etwas später auch das Linzer Brucknerhaus, wurden mit Stühlen von Wiesner-Hager ausgestattet. Eine langjährige Verbundenheit bestand auch mit dem Salzburger Festspielhaus. Bereits 1935 ist der große Saal des von Professor Clemens Holzmeister gebauten Festspielhauses mit 1.200 Stühlen bestückt worden. Das hohe Qualitätslevel und die langjährige Objekteinrichtungskompetenz sorgten dafür, dass auch das neue Festspielhaus Ende der 1950er-Jahre mit Wiesner-Hager verwirklicht wurde. Noch heute sitzt man im Salzburger Festspielhaus auf den Originalstühlen aus dem Jahr 1960.

 

„Das kleine Österreich hat große Marken, die seinen Ruf in die ganze Welt hinaustragen. In der Kultur sind das die Salzburger Festspiele. Für Möbel ist das Wiesner-Hager. Als Clemens Holzmeister 1957 das Große Festspielhaus plante, wandte er sich an Wiesner-Hager und ließ dort eine spezielle Bestuhlung anfertigen. Diese hat sich bis heute bestens bewährt. Die Salzburger Festspiele - die wir 2020 selbst unser 100-Jahr-Jubiläum gefeiert haben - gratulieren der Firma Wiesner-Hager zum 100er.“

Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele.

 

 

Hinwendung zu Möbeldesign und Architektur.

Seit den 1960er Jahren gewannen Design und Produktgestaltung eine immer größere Bedeutung, weshalb sich eine neue Verbundenheit zur Architektur manifestierte. Franz Schuster war einer der namhaften Architekten, die mit Wiesner-Hager eine mehrjährige Zusammenarbeit verband. So entwarf Schuster Holzstuhlprogramme, die noch heute in manchen Antiquitätenläden hoch gehandelt werden. Schuster brachte seine große Erfahrung auf dem Gebiet des Möbeldesigns ein. Sein Credo war, preisgünstige, aber dennoch ästhetisch ansprechende Möbel auf den Markt zu bringen. Wiesner-Hager war der ideale Partner dafür. Kaum ein anderes Unternehmen verstand es in dieser Zeit so gut, Möbel durch industrielle Fertigung in großen Stückzahlen und konstanter Qualität herzustellen und ihnen trotzdem eine gestalterische Seele einzuhauchen.

 

© Dorotheum GmbH & Co KG, Auktionskatalog 3 Juni 2020

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